Das EIP-Projekt untersucht, welche exotischen Kulturen in Österreich erfolgreich angebaut, geerntet, verarbeitet und vermarktet werden können. Ziel ist es, praxisnahe Anbau- und Verarbeitungsempfehlungen zu entwickeln, neue marktfähige Produkte zu ermöglichen, regionale Wertschöpfung zu stärken und Importabhängigkeiten zu verringern.
Praxisnahe Versuche zu Spezialkulturen
Bei der Besichtigung der Versuchsflächen in Wies standen unter anderem Goldmelisse, Griechischer Bergtee, Artischocke, Grüntee, Szechuanpfeffer, Tasmanischer Pfeffer, Rooibos, Ingwer und Kurkuma im Mittelpunkt. Die Diskussionen zeigten, dass die Einführung neuer Kulturen nicht nur eine Frage der Anbautechnik ist. Ebenso wichtig sind Saatgutverfügbarkeit, Keimfähigkeit, Standortansprüche, Wasserbedarf, Pflanzengesundheit, Verarbeitung, Haltbarkeit und Marktpotenzial.
Einige Beispiele verdeutlichen die Komplexität solcher Innovationsprozesse:
Rooibos bietet Potenzial für neue regionale Wertschöpfung, ist derzeit aber stark von Saatgutverfügbarkeit und Keimfähigkeit abhängig. Goldmelisse zeigt Herausforderungen bei Mehltau, eröffnet zugleich aber interessante Fragen für Selektion und Weiterzucht. Grüntee benötigt passende Bodenbedingungen, ausreichend Wasser und eine angepasste Kulturführung. Szechuanpfeffer scheint unter österreichischen klimatischen Bedingungen vielversprechend, stellt aber Anforderungen an Ernte und Handling. Auch neue Schädlinge wie die Grüne Reiswanze werden zunehmend relevant, da sie ein breites Spektrum an Pflanzen befällt und auch Kräuterkulturen schädigen kann. Fangpflanzen und Blühstreifen könnten hier wichtige Bausteine für ein angepasstes Schädlingsmanagement sein.
Einblicke in die Praxis bei Himmelreich Kräuter
Im Anschluss an das Projekttreffen fand eine Betriebsbesichtigung bei Himmelreich Kräuter statt. Der Familienbetrieb beschäftigt sich bereits in dritter Generation mit Kräutern und Gewürzpflanzen aus aller Welt. Besonders interessant waren die Einblicke in die eigene Pflanzenproduktion über Aussaat, Teilung und Stecklingsvermehrung sowie in die Spezialisierung auf seltene Kräuter- und Nutzpflanzen. Laut eigener Darstellung kultiviert der Betrieb über 1.000 verschiedene Kräutersorten.
Relevanz für OH-FINE
Für OH-FINE ist das EIP-Projekt "Exotisches Österreich" ein sehr relevantes Praxisbeispiel. Es verbindet zentrale Themen des Projekts: Diversifizierung im Biolandbau, betriebliche Innovation, Spezialkulturen, regionale Wertschöpfung und Wissenstransfer zwischen Forschung, Beratung und Praxis.
Die beim Projekttreffen diskutierten Fragestellungen zeigen deutlich, wie wichtig praxisnahe Versuche, betriebliche Erfahrung und wissenschaftliche Begleitung für die Weiterentwicklung des biologischen Landbaus sind. Gerade bei neuen Kulturen braucht es angepasste Anbaustrategien, fundiertes Wissen zu Standortbedingungen und Pflanzengesundheit sowie realistische Einschätzungen zu Verarbeitung, Haltbarkeit und Marktchancen.
Ein möglicher nächster Schritt ist eine vertiefende Literaturrecherche durch FiBL zu ausgewählten Kulturen und offenen Fachfragen. Die Ergebnisse könnten in Praxisinformationen, Austauschformate oder weitere OH-FINE-Aktivitäten einfließen.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Projektpartnern der Operational Group "Exotisches Österreich" und besonders bei der Versuchsstation Wies für die spannenden Einblicke und den fachlichen Austausch.
Weitere Informationen
Dieses Treffen wurde von der EIP-AGRI Operational Group "Exotic Austria" organisiert.
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